20. Edition
2. - 6. December 2026

EVERYTIME

A, GER 2026
123 min.
Sprache
Original version (German, Spanish) with English subtitles
DIRECTOR, SCREENPLAY: SANDRA WOLLNER CINEMATOGRAPHY: GREGORY OKE EDITOR: HANNES BRUUN PRODUCTION DESIGN: JULIA LIBISELLER, GERALD FREIMUTH MUSIC: DAVID SCHWEIGHART, TIMM KRÖGER SOUND ENGINEER: JOHANNES SCHMELZER-ZIRINGER COSTUME DESIGN: HANNA RODE PRODUCTION COMPANIES: PANAMA FILM, THE BARRICADES (GERMANY) CAST: BIRGIT MINICHMAYR, TRISTÁN LÓPEZ, LOTTE SHIRIN KEILING, CARLA HÜTTERMANN

Region: Steiermark
Das K3 Film Festival öffnet sich erstmals in Richtung Steiermark.
Befördert und gefördert durch Westbahn.

Festivals und Preise
79. Festival de Cannes 2026 – Un Certain Regard Preis
Sarajevo Film Festival 2026 – Heart of Sarajevo für den besten Spielfilm

Die Sonne geht über Berlin auf. Eine rotgoldene Scheibe, die ihr Licht über die Stadt legt, als wäre nichts geschehen. Das letzte Foto, das Jessie gemacht hat, zeigt genau diesen Moment. Kurz darauf ist Jessie weg. Zurück bleibt eine Leerstelle, die sich nicht füllen lässt – und drei Menschen, die damit leben müssen. Ella, die Mutter, gespielt von Birgit Minichmayr mit einem Gesicht wie versteinertes Licht. Melli, die kleine Schwester, die jetzt das Zimmer ganz für sich allein hat. Und Lux, der Junge, dem alle die Schuld geben. Während die Welt um sie herum unbeirrt weiterläuft, versuchen sie, irgendwie weiterzumachen – jeder auf seine eigene Weise, und doch ohne wirklich voranzukommen.

Unerwartet finden sie sich gemeinsam auf Teneriffa wieder. Ein Familienurlaub, den es so nie gab, mit Menschen, die keine Familie sind. Und doch sitzen sie nun unter der flirrenden Sonne der Kanarischen Inseln, die gleichgültig weiter scheint wie die Berliner Sonne damals. Warum geht die Sonne weiter auf? Man sollte meinen, nach einer Tragödie wie dieser müsste die Welt den Anstand haben, innezuhalten. Sie tut es nicht.

Dort entgleitet etwas. Die Zeit verliert ihre Verlässlichkeit, beginnt sich zu verbiegen. Jeder, der je tiefe Trauer erfahren hat, kennt die seltsamen Dinge, die sie mit der Zeit anstellen kann: sie dehnen oder zusammenpressen, ganze Abschnitte in ein schwarzes Loch des Gedächtnisses verbannen, oder sie einfach gänzlich aussetzen. EVERYTIME folgt genau diesen Zuständen – mit einer Präzision, die sich wie Traumlogik anfühlt, und mit einer Sinnlichkeit, die unter die Haut geht. Erinnerungen und eine ungelebte Zukunft verweben sich in einer verschobenen Realität, die angesichts des Unvorstellbaren das Undenkbare zulässt.

Zwischen Nähe und Distanz, Schuld und Vergebung, Stillstand und Bewegung zeichnet sich für Ella, Melli und Lux eine neue Form des Weiterlebens ab – eine, die niemand von ihnen geplant hat und die keine einfachen Antworten kennt. Die Geister sind überall.

EVERYTIME ist radikal sinnliches Kino über die Unmöglichkeit, einen Verlust zu begreifen, und über die seltsame Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und möglicher Zukunft. Sandra Wollner (THE TROUBLE WITH BEING BORN) treibt ihren Stil auf eine neue, atemraubende Ebene: in jeder Einstellung unendlich überraschend, in jedem Moment auf der Kippe zwischen Diesseits und dem, was jenseits der Sprache liegt. Kameramann Gregory Oke (AFTERSUN) findet Bilder von verstörender Schönheit: nah und zugleich entrückt, körperlich und traumwandlerisch, in jedem Lichteinfall zugleich Trost und Wunde.

„A brilliantly directed, highly enigmatic and dizzying helter-skelter of a movie.“ – Cineuropa

 

 

 

Interview mit Sandra Wollner (Auszug)
Zu Beginn von EVERYTIME hört eine kleine Schwester nicht auf, sich ihrer großen Schwester gegenüber zu beschweren, dass sie immer benachteiligt sei … Hat Sie eine Reflexion über das System Familie in den Anfängen des Drehbuchs beschäftigt?

Sandra Wollner: In der ersten Szene werden wir mitten in das ganz normale Chaos einer Familie geworfen […]. Mich hat das Chaos interessiert, das Nebeneinander von gelebten Leben. In den Anfängen des Buches standen drei Charaktere: Ella, Melli und Lux. Es sind die Nachbilder von Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe, die auf jeden Fall eine Inspiration für diesen Film waren. Aber diese Nachbilder haben ein Eigenleben entwickelt und sind zu autonomen Figuren geworden, denen ich gefolgt bin.

Der Verlust eines Kindes, das jähe Ende einer jungen Existenz könnte man als einen der verbindenden Aspekte zwischen Ihrem letzten Film THE TROUBLE WITH BEING BORN und EVERYTIME erkennen. Was bewegt Sie an diesem Topos?

Sandra Wollner: Auch in meinem ersten Film DAS UNMÖGLICHE BILD waren Kindheit und Tod schon Thema. Oder der kindliche Blick auf den Tod. Das ist ein Blick, der mich anzieht und mir wahrscheinlich eine gewisse Neugier erlaubt. […] Dass es immer Kinder sind, mag daran liegen, dass sie dieses Leben, wie auch ich, noch nicht vollumfänglich erfassen können. Dass sie die Welt gewissermaßen ohne Vorurteil und ohne Konzepte betrachten.

Biografie der Regisseurin
SANDRA WOLLNER (Regie / Drehbuch)

Sandra Wollner, geboren 1983 in der Steiermark, studierte Dokumentarfilm-Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihr Spielfilmdebüt DAS UNMÖGLICHE BILD (2016) gewann den Förderpreis Neues Deutsches Kino und den Deutschen Filmkritikerpreis für den besten Spielfilm 2018. Ihr zweiter Spielfilm THE TROUBLE WITH BEING BORN feierte 2020 Weltpremiere auf der Berlinale in der Sektion Encounters und wurde unter anderem mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Der Film erhielt vier Österreichische Filmpreise sowie den Deutschen Filmkritikerpreis. EVERYTIME ist Wollners dritte Regiearbeit.

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